Expertencheck

Analyse. Chancen und Risiken der Versicherungsbranche.

Michael Huttner, Analyst bei JP Morgan (Illustration)

„Kapitalmanagement und Dividendenwachstum sind die Themen 2015.“

Michael Huttner, Analyst bei JP Morgan

Die großen Themen 2015. Gemeinsam mit Fragen zum Kapitalmanagement wird die Jagd nach Rendite in Anbetracht des historischen Zinstiefs auch das Jahr 2015 dominieren. So manche Antwort über die Attraktivität von Versicherungen lässt sich aus den Stresstests zu Solvency II ableiten, die im November 2014 auf Basis der Vorjahresbilanzen veröffentlicht wurde. Knapp die Hälfte der analysierten Versicherungen weisen eine Solvenzquote von unter 150% aus. Die VIG weist im Standardmodell eine Solvenzquote von rund 160% aus und liegt damit über dem genannten Durchschnitt.

Chancen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die aktuellen Rahmenbedingungen gerade in den Nichtlebensparten nahezu perfekt für die Erzielung hoher Eigenkapitalrenditen und Dividenden sind. Das aktuell geringe Wirtschaftswachstum in Europa in Kombination mit einer geringen Inflation führt dazu, dass die Nichtlebensversicherungen für weiteres Prämienwachstum weniger zusätzliches Solvenzkapital benötigen. Die Schadenabwicklung wird aufgrund des stabilen bzw. in manchen Ländern sogar rückläufigen Preisniveaus günstiger. Gleichzeitig müssen die Versicherungen eine konservative Zeichnungspolitik verfolgen, weil das versicherungstechnische Ergebnis in Anbetracht geringerer Finanzerträge wieder in den Vordergrund rückt. Dabei sehe ich das Risiko, dass die Steigerung des Gesamtergebnisses und nicht der Rendite auf das eingesetzte Kapital im Fokus steht.

Die Kombination aus niedrigen Zinsen, gedämpftem Wirtschaftswachstum und Solvency II führt eventuell auch zu unbeabsichtigten Folgen. Besonders zu beachten: Europäische Regierungen können sich fast zu Nullzinsen finanzieren und langfristige Anleihen zu diesen Bedingungen ausgeben. Über Solvency II erhöht das letztlich auch den Druck auf die europäischen Versicherungen, die berechnet nach EIOPA ein Gesamtinvestitionsvolumen von EUR 7 Billionen halten.

Haftungsausschluss. Die Angaben basieren auf der bisher vom Analysten veröffentlichten Recherche, ein Produkt der JP Morgan Recherche-Abteilung. Alle genau ausgesagten Meinungen widerspiegeln seine persönlichen Ansichten über sämtliche der hierin behandelten Wertpapiere oder Emittenten. Dieses Material wird nur zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt und ist nicht als Empfehlung oder Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers oder eines anderen Finanzinstruments oder zur Übernahme einer Anlagenstrategie gedacht. Alle Marktpreise, Daten und andere Informationen können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. In keinem Fall ist JP Morgan für die Verwendung durch jegliche Parteien, für alle getroffenen Entscheidungen und erfolgten Handlungen, von jeglicher Partei im Vertrauen aufgenommen, oder für Ungenauigkeiten oder Fehler oder Auslassungen der in diesem Dokument enthaltenen Informationen verantwortlich.